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Spirits. Believers. Freeminds.

  • redaktion849
  • 5. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Aug.

@Geister. Gläubige. Freigeister.

Einblicke in unsere Zuhör-Initiative in Kreuzberg

"Das Ohr" am blauen Tinyhaus, am 03. August 2026

by Gunilla


Die Vielfalt der Menschen und ihrer Gesinnungen - manchmal kommen sie an einem Ort zusammen! Bild@wix
Die Vielfalt der Menschen und ihrer Gesinnungen - manchmal kommen sie an einem Ort zusammen! Bild@wix


Alice im Wunderland am Südstern


Manchmal komme ich mir montags beim Zuhör-Projekt „Das Ohr“ wie „Alice im Wunderland“ vor. Es ist jedes Mal anders. Heute waren Anh und Wolfgang mit die Tür-Öffner:innen.


Vielleicht ist es so, dass man genau die Menschen mit besonderen Themen anzieht, die mit einem resonieren. 


Heute war auch die Französin Chloé mit am Start. Englisch , Französisch Deutsch mit Händen und Füßen - ein herrlich babylonischer Mix. Um uns herum sehr seltsam interessant aussehende Menschen mit ätherischem Sendungsbewusstsein.

Wir stellen uns der Frage, woran wir eigentlich glauben.

Welche Werte uns wichtig sind. 


Erst sah ich nur eine Frau, die wie ein bunter Aufsteller verkleidet war. Plakat vorne und Plakat hinten. „Jesus ist Liebe“, „Gott ist Weisheit“ oder so ähnlich, stand darauf. Ich hörte schon von Weitem immer wieder Trompetenrufe - drei, vier Töne - wie ein Herold an einem mittelalterlichen Platz, Neues im Gepäck. Wie die Anfangstöne von "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss (vielen bekannt aus der Anfangsszene aus "2001 Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick). Oder wie die letzte Posaune aus der Apokalypse.


Menschen hatten ausgeschnittene bunt-fröhliche, papierne Herzchen mit christlich wohlmeinenden Botschaften in der Hand. Ein jüngerer Mann mit langem Bart fragte, ob wir im Tinyhaus Bücher verkaufen, blickte sich im Tinyhaus um und gab uns ein hebräisches „Schalom“ (für Frieden, Wohlergehen) mit auf den Weg.


Energiereiches Interesse am Anderen lag in der Luft. So eine besondere Spannung. 



Alice, die Herzkönigin und die Skatkarten


Dann kamen von allen Seiten immer mehr Menschen, die wie Aufsteller - Skatkarten ähnlich - verkleidet, mit Plakaten vorne und hinten - um den Platz um das Tinyhaus - herumwirbelten, ja tanzten. Eine Frau drehte sich, rechts von uns Richtung U7, selig im Kreis. Sie trug ein rotes langes Kleid. Darauf die Aufschrift „Jesus“ in großen, goldenen Lettern. Sie schwenkte - wild und begeistert - die große Jesus-Fahne.


Dann kamen zwei weitere Frauen in die illustre Manege.

Beide sahen aus wie gypsies (vielleicht Sinti und Roma o.ä. oder ganz anders) - dunkel-gelockte Haare mit langen Röcken. Es kam zu einem Wortgeschrei-Gefecht. Um Gut und Böse ging es. „Evil“ war ein Wort, das fiel. Lautes Frauen-Gekreische, wer denn den richtigen Gott pflege. Eine alte, sich ständig wiederholende, Geschichte. Seit Jahrtausenden erzählt.


Das kleine, blaue Tinyhaus in der Mitte - wie die neutrale Schweiz. 

Um uns herum schienen sie eher eine Art Bogen zu machen, einen Regenbogen. Etwas an uns ist vielleicht (für sie zu) frei gedacht. Die Mitstreiter:innen und Freund:innen der Bürgergenossenschaft Südstern e.V. sind oftmals Freigeister und Freigeistinnen oder zumindest sehr offen in ihrer Art. Zu uns darf jeder kommen und ist herzlich willkommen.


Wir sind da, machen die Tür auf, hören zu, gehen einen Dialog ein. Manchmal urkomisch, manchmal ernst. Manchmal etwas von Allem. Manchmal auch einfach bisschen peinlich, aber zumeist menschlich präsent und stets bemüht.

Ich frage mich, worum es bei uns - bei der BG Südstern e.V. - geht.

Geht es bei uns doch - wie ich es verstehe - einfach um humanistische Werte wie Menschenwürde, Selbstbestimmung, Toleranz und Pluralismus (Diversität als Respekt vor der Vielfalt des Menschen und Menschlichen). Gewaltfreiheit mit Vernunft (und Gefühl) und Wissenschaftlichkeit (vs blindem Glauben oder Verschwörungstheorien). Vor allem aber Mitgefühl und Solidarität. Eine Begegnung auf Augenhöhe. So gut es gerade eben geht. Mit Versuch, Irrtum und erneutem Versuch. Reflektieren im Team, Begreifen, Dranbleiben. Menschen eben.


Die kreischenden gypsy-Frauen, mit wildem Spektakel, ziehen ab.

Ich lande in einem Gespräch mit einem wahrscheinlich oder ehemals obdachlosen Mann, über seine besonderen intuitiven Gaben, seine Art der Wahrnehmung, seine tiefen inneren Prozesse: berührend, ehrlich, tief. Eine Umarmung. Schönheit im Augenblick mit uns Menschen. Von Angesicht zu Angesicht als Mit-Mensch.

Das kann ein Schlüssel sein. 


Nach kurzer Smartphone-Recherche begreife ich: Die Kirchengemeinde am Südstern feiert ihre „Missionstage“. Jetzt macht es Sinn. Es wird eingeladen, geworben und missioniert. Einheit und Gleichklang erwünscht.


Für mich ist der Platz - mit dem Tinyhaus - als neutrale Schweiz in der Mitte - und den Menschen rundherum - ein Bild für Götter und Göttinnen. Ich, als staunende "Alice im Wunderland" mittendrin. 


Die Menschen mit den Plakaten vorne und hinten sehen aus wie die Ergebenen der Herzkönigin - die Skatkarten als Hofstaat. Der Trompeter, wie das weiße Kaninchen. Ein Herzköniginnenspektakel mit Herold aus einem phantastischen Buch der Nonsense-Literatur von Lewis Carroll. 


So herrlich und ungewollt absurd. So viele „Spirits“ (Geister), „Believers“ (Gläubige) und „Freeminds“ (Freigeister und Freigeistinnen) auf einem Platz. Ich muss schmunzeln. Das ist urlustig, sehr Kreuzberg, und auch irgendwie sehr schön. Denn sie begegnen sich mit dem Tinyhaus in der Mitte. Der ganze Hofstaat.

Von wem oder was auch immer. 


Herzlich Gunilla

"Zuhörerin" bei "Das Ohr".

TOK-Team der BG Südstern e.V. 



 
 
 

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