"Gemeinschaft entsteht nicht von allein" - Artikel von Sarah Elsing | Publik-Forum Nr. 13/ 2026
- redaktion849
- 31. Juli
- 2 Min. Lesezeit
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Artikel „Gemeinschaft entsteht nicht von allein“ mit unserem beliebten „Das Ohr - Zuhör-Kiosk" - in der Publik-Forum Nr. 13 | 2026 - Aufstehen & Handeln
Christian (mit Gunilla) wurde(n) von Sarah Elsing an einem Montag interviewt.
Danke an Sarah für den schönen Artikel mitsamt Bild!
Gemeinschaft entsteht nicht von allein
Christian Domrich, geboren 1954, engagiert sich bei der Initiative Das Ohr in Berlin.
Corona war der Auslöser. Plötzlich lebten viele isoliert und fühlten sich einsam. So entstand die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation miteinander in Kontakt kommen. Daraus ist die Initia- tive Das Ohr entstanden.
Unter der Woche sitzen ab 15 Uhr zwei Ehrenamtliche der Bürgergenossenschaft Südstern vor unserem Tiny House und nehmen sich Zeit für die Menschen im Kiez.
Niemand muss Mitglied sein oder ein Anliegen mitbringen. Manche kommen zum Plaudern, andere suchen Rat oder jemanden, der zuhört.
Am Südstern treffen Menschen mit unterschiedlichsten Lebensrealitäten aufeinander. Manche sind arm oder leben auf der Straße, andere fahren Porsche und wohnen in einer Eigentumswohnung.
Viele, die in den wilden Kreuzberger Jahren hierhergezogen sind, erkennen ihr altes Kreuzberg kaum wieder. Die Kneipen von damals sind verschwunden, Treffpunkte fehlen. Wir sind offen für alle.
Entscheidend ist nicht Besitz oder Beruf, sondern die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen.
Immer wieder entstehen daraus besondere Begegnungen. Eine Japanerin kommt jede Woche vom Wannsee, um Deutsch zu lernen. Beim gemeinsamen Müllsammeln üben wir Vokabeln. Eine Vietnamesin erzählte von ihrer Flucht. Solche Gespräche verändern den Blick. Man merkt, wie viel man voneinander lernen kann.
Viele unserer Mitglieder sind im Ruhestand.
Ich selbst bin 72 Jahre alt und habe viele Jahre als Pfleger in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet. Zuhören und Begleiten gehörten zu meinem Beruf. Mit der Rente hört das nicht auf. Viele Mitglieder waren früher Lehrer, Ärztinnen oder Sozialarbeiter. Wenn uns Gespräche bewegen oder belasten, tauschen wir uns untereinander aus. Denn hier kommen auch schwierige Themen wie Armut, Alkohol- oder Drogensucht zur Sprache.
Wenn jemand Hilfe braucht, schauen wir nicht weg. Als es kürzlich so heiß war, litt ein Mitglied stark unter der Hitze in seiner Wohnung. Gemeinsam haben wir Sonnenschutzfolie an den Fenstern angebracht.
Es braucht mehr Orte, an denen Menschen sich begegnen, ohne etwas leisten zu müssen. Gemeinschaft entsteht nicht von allein. Sie wächst dort, wo Menschen Zeit teilen, einander zuhören und Verantwortung füreinander übernehmen.
Protokoll: Sarah Elsing ➤ www.bg-suedstern.de






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